7. Mai 2017

Bortom Upproret

Das letzte Wochenende war zwar anstrengend aber mit Abstand eines der besten meines Austausches. Wir hatten unsere Theatervorführungen, welche einen vollen Erfolg waren. Der Saal war fast alle drei mal voll. Meine Gastfamilie und meine Freunde kamen, sogar Aimée nahm extra den langen Weg aus Eslöv um mich spielen zu sehen. Das hat mich wirklich gerührt und war zugleich nochmal ein grosser Anspurt mein Bestes zu geben.  
"Bortom Upproret" heisst übersetzt "jenseits des Aufstandes" und handelt um verschiedene Menschengruppen, die anfangen, dass System und ihr Leben zu hinterfragen und beginnen, sich zu wehren und auf die Strassen gehen. Unsere Inszenierung war ziemlich perplex und verwirrend. Man kann der Handlung nicht ganz folgen, was mir viele Zuschauer danach gestanden. Aber genau kann eine Vorführung ja auch so genial machen.
Wenn jemand einen alten Mann spielen muss



Meine Gruppe war echt der Hammer und es ist einfach so viel einfacher, mit jemandem Kontakt zu knüpfen, wenn man die selben Interessen hat. Das habe ich immer wieder bemerkt, auch in der Schule bei anderen Gelegenheiten. Bei dem nächsten Bild forderte unser Leiter Povel dazu auf, aufständisch in die Kamera zu blicken. Nur die Austauschschülerin Lilja hat das nicht gehört oder verstanden und lächelt fröhlich. Ja, ich wurde von den Anderen mit meinem Gesichtsausdruck aufgezogen.



Nach zwei Vorstellungen für die Öffentlichkeit hatten wir noch den "teatermyller" einen Tag, wo alle Theatergruppen anwesend waren und man sich gegenseitig sein Stück vorgeführt hat. Das Gebäude, das früher als Lokremise diente, war proppenvoll und es wimmelte nur so von talentierten Jugendlichen. Obwohl wir früh am Nachmittag begonnen, waren wir erst um Zwei Uhr mit allen durch. Unsere Gruppe war die letzte. Während das Publikum sehr erschöpft und müde vom Tag war, spielten wir gefühlt mit Adrenalin besser den je. Wir weckten alle nochmal auf und krönten so den Tag. Alle Leute waren so offen und mache merkten nicht, dass ich keine Schwedin war. Das freute mich natürlich wieder unglaublich. 


Ich habe sehr viel gelernt und von den anderen profitiert. Ich nehme ganz viel von der Erfahrung mit und bin nun super motiviert in der Schweiz mit Theater weiter zu machen.



26. April 2017

Oh Frühling was machst du bloss?

Lieber Frühling, ich fand es ja echt toll, wie du dich schon vor einem Monat angekündigt hast und uns ein paar schön warme Tage beschert hast. Aber doch hat es jetzt wieder geschneit, die Temperaturen sind gesunken und du verschwunden. Alle schieben es immer wie gewohnt auf den April: "Man wisse nie, was für einen Wetterlage draussen herrsche." Man nimmt schlicht mal Sonnencreme, Regenjacke, Handschuhe, Gummistiefel oder Schneeschuhe, Jeansjacke mit und irgendwas passt dann schon zum Wetter. Aber die Wiesen werden dennoch grüner und überall, wirklich überall im Wald sieht man Buschwindröschen. Einer aus meiner Klasse ist aufgefallen, dass ich gut zu Ostern passe da Osterglocke auf Schwedisch "Påsklilja" (wörtlich übersetzt Osterlilie) heisst und man diese Blumen nun überall sieht und dass wiederum fanden alle sehr witzig. 



Endlich hatten wir wieder einen Event mit AFS Skåne. Und wie schon einmal konnte meine Gastfamilie nicht mit kommen, doch meine Kontaktpersonen begleiteten mich netterweise. Da ich einige schon mega lange nicht mehr gesehen habe, war das Wiedersehen natürlich laut und emotional. Als ich Aimée aus Deutschland sah, musste ich einfach weinen, weil ich so glücklich war, sie zu sehen, weil das Austauschleben manchmal sehr belastend und einsam ist, weil ich bei ihr einfach total ich selber sein kann. Natürlich bin ich nicht ein anderer Mensch in der Schule oder bei meiner Gastfamilie, aber da schaut man ja schon, dass man nichts Falsches sagt oder macht. 
Es war ein internationales Buffet und jeder musste sein Land mit einer Mahlzeit und einer Art von Präsentation repräsentieren. Ich buk ein einen Zopf, nahm ein wenig Schweizer Schokolade mit und gab "s'Zundhölzli" auf der Ukulele zum Besten. Zurück fuhren wir der Küste entlang und da zeigten meine Kontaktpersonen mir einige wunderschöne Stellen.


Wenn Lilja mit Aimée ist
Über Ostern kam Sofia, die andere Schweizer Austauschschülerin zu mir in den Süden und es war sehr schön wieder ein bisschen Schweiz um mich zu haben. Wir bemerkten aneinander die Schweizer Höflichkeit und unser Bünzli-Benehmen, die hier in Schweden wegen der Anpassung zum Teil verloren gingen. Es war, als wäre die Schweiz höchstpersönlich zu Besuch. Endlich konnte ich mich mal über Schweizer Politik und andere nationale Themen mit jemandem austauschen. Natürlich schätze ich sie auch als Person sehr und sie ist einfach eine der zu netten und hilfsbereiten Menschen. Sie hat mir unteranderem einen Quittengelee und einen Osterhasen gebracht. Jö.


Als wir an einem sonnigen Nachmittag meine Gasteltern bei den Renovierungsarbeiten in ihrem kleinen Haus besuchten, waren auch gleich noch ihre Freunden aus Uppsala dort und die waren sehr interessiert an all dem Austauschzeugs. "Deine Gastfamilie wird also nicht bezahlt, dass du ein ganzes Jahr bei ihnen wohnst. Du teilst deine Kultur mit ihnen und im Gegenzug geben sie dir Essen?". Ja, so kann man das sehen. Immer sehr schön, wenn jemand ein solches Interesse für unser Jahr zeigt und Sofia und ich waren sehr willig, ihnen es ein bisschen näher zu bringen. In diesen Momenten wird einem wieder bewusst, wieso man diesen Austausch macht.


Was ist schwedischer als die Ikea? Scheint schon fast wie ein Muss, dass man die allererste Ikea der Welt in Älmhult besucht. Es gibt sogar ein Museum. Alle Schweden lachen mich jetzt sicher aus, wenn ich sage, dass ich da war. Für die ist das überhaupt kein "Big Deal", für mich auch nicht, aber es war trotzdem cool. Und wenn es den ganzen Tag regnet und man nicht wie geplant nach Helsingborg kann, war es ein guter Zeitvertreib. Ich wette wenige von euch wissen, wie sich die Buchstaben von Ikea zusammenstellen oder wieso jeder Gegenstand einen mehr oder weniger komischen Name hat und nicht lediglich eine Nummer.




Das Spiel Kubb, welches oft auch Schwedenschach genannt wird, ist auch in meiner Familie in der Schweiz sehr beliebt, doch hier in Schweden natürlich noch mehr. Es gehört unteranderem auch zum Mittsommer und deshalb "trainiert" meine Gastfamilie schon jetzt. Das Schöne daran, dass oft einfach noch einige unserer Nachbaren rauskommen und sich dazu gesellen. So entstehen spannende Spiele wie Eltern gegen Kinder oder auch familienweise Teams. Über eine Niederlage seiner Seite wird man natürlich Wochen lang erinnert und schön damit aufgezogen.

Das Siegerteam mit Photobomb vom Verlierer
Unser Theater ist nun vollem Gang, am Montag hatten wir unsere Generalprobe und morgen dann endlich Premiere. Kostüme, Bühnenbild, Licht und vor allem die Texte wurden sorgfältig gewählt durch und durch geprobt bis wir zufrieden waren. Und doch kommen stets neue Ideen dazu, coole Dialoge, die man noch einbauen könnte. Aber irgendwo muss man dann auch mal stoppen und sich auf das Geprobte beschränken.
Obwohl es ein sehr intensive Zeit wird und ich fast nicht nach Hause komme. Als ich jünger war, war ich schon in einigen Inszenierungen dabei war und Theater hat mich stets interessiert, dennoch verschwand es in den letzten Jahren von meiner Bildfläche. Aber nun habe ich wieder ganz viel Theaterluft geschnuppert und das Gefühl, wenn man vor einer Premiere steht ist so toll, dass ich versuchen möchte, in der Schweiz damit fortzusetzen. Wahrscheinlich werde ich gar keine Zeit dafür finden, aber man kann sich das Ziel ja mal setzen. 

Bald steure ich auf die letzten zwei Monate zu und ich habe bereits Angst, dass ich nicht alles, was ich noch erleben möchte, schaffen werde. Geplant sind noch ein kurzer Trip in die Hauptstadt für ein Konzert von Shawn Mendes mit meiner Gastschwester und noch einmal Göteborg. Ansonsten gestalte ich alles noch ein wenig rundherum. Am 1. Juli werde ich meine Gastfamilie verlassen und nach zwei Tagen in Sigtuna im AFS-Abschlusscamp gehts dann zurück in die Schweiz. Ich möchte nicht daran denken, dass das Ganze bald zu Ende ist und ich mein ganzes Leben, dass ich mir hier aufgebaut habe, zurücklassen muss.

3. April 2017

3 månader kvar - 3 Monate übrig

Pünktlich zu meinem "Hilfe mir bleiben nur noch 3 Monate" kommen endlich wieder ein bisschen News aus Schweden. Weil ich jetzt so in meinem schwedischen Leben drin bin, mit Schule, Musik, Theater, Freunde- und Familienzeit und nicht zu Letzt dem Entdecken von Schweden, finde ich immer weniger Zeit, zu schreiben und ganz ehrlich schwindet auch die Motivation ein wenig.
Meine Kniegeschichte ist zum Glück ziemlich gut verlaufen. Aber ob das Kreuzband nun gerissen oder bloss angerissen ist, weiss ich immer noch nicht. Ich habe beides von Ärzten gehört. Nun muss ich zu einem Physiotherapeuten gehen, der mir hilft, das Bein und vor allem die Muskeln um meine Verletzung zu trainieren, damit ich bald wieder fit bin. Die Tatsache, dass ich für sicher zwei Monate keinen Sport machen (ausser Beintraining) machen darf, hat mir einen dicken Strich durch die Rechnung gezogen. Die Orientierungssaison hat vor einigen Wochen erneut begonnen und meine Gastfamilie springt schon fleissig durch die Wälder. Ich wäre so gerne auch dabei. Diesen Sport habe ich ja hier in Schweden entdeckt und so eine Möglichkeit mit Trainings, Wettkämpfen und vor allem meiner OL-liebenden Gastfamilie bietet sich nicht mehr so schnell zu Hause. Ich hätte es toll gefunden, wenn ich noch mehr darüber lernen gekonnt hätte. Meine Gastmutter versucht mich damit aufzumuntern, dass man ja auch laufen kann mit der Karte, aber das Feeling kommt bei mir nicht wirklich an. Ich müsse jetzt halt einfach ganz fleissig trainieren, damit ich bald wieder durch die Wälder rennen könne, sagt sie. 
Was ich natürlich auch tue. Jeden Tag mache ich langweilige Knieübungen, die zum Teil daraus bestehen, Treppe zu laufen oder von einem Stuhl aufzustehen und sich danach wieder hinzusetzen. Aber ich darf wieder Fahrrad fahren, was das Leben um einiges mobiler macht. Ich bin endlich nicht mehr so abhängig von den Buszeiten oder meinen Gasteltern. Als ich das hörte ging ich noch am gleichen Tag auf die Strasse und raste (vorsichtig natürlich) durch die schöne sonnige Landschaft.



Ich bin euch ja noch ein paar Bilder vom (missglückten) Skifahren schuldig. 



Im Moment unternehme ich viel mit meinen Freunden aus der Parallelklasse. Ich habe sogar mal schweizerisch gekocht für sie. Leider fand ich hier in Schweden keinen feinen Bergkäse und musste so geschmacklosen Weichkäse verwenden. Deshalb konnte ich zu meiner Verteidigung meine Kochkünste nicht total ausschöpfen, aber sie fanden es anscheinend doch ganz gut und es gab fast keine Resten.


Ihre ängstlichen Blicke bevor sie Älplermagronen probieren mussten
Sie haben es sich auch ein bisschen zum Ziel gesetzt, sich so oft wie möglich zu treffen, bevor ich in 3 Monaten wieder nach Hause fliege. Ich weiss jetzt schon, dass ich sie vermissen werde. Nochmals mit den Leuten aus meiner Klasse zu machen, habe ich langsam aufgegeben. Die sind immer mit Training, Wettkämpfen oder Schulsachen beschäftigt.

Emilia hat seit einem Monat die Autoprüfung, was wir natürlich gerne ein bisschen ausnutzen. Ob es nun mal eine Fahrt Jämshög ist, um mein Cello zu holen in einer Zwischenstunde oder einfach ein bisschen das "Roadtrip"-Feeling zu geniessen. Ich darf meistens vorne sitzen, da ich anscheinend einen guten Musikgeschmack habe. Ansonsten giltet die Regel, dass der, der das Auto zuerst sieht und "Shotgun" ruft, auf den Beifahrersitz darf und die Macht über die Musik hat. So läuft bei uns oft schwedische Klassiker oder "Booty Swing".


À la "wir bleiben wach, bis die Wolken wieder lila sind"

Fast gleichzeitig wie in der Schweiz kam bei uns der Frühling mit der Sonne, Blumen und dem Gezschwitscher der Vögel. Da Olofström lediglich 20 km vom Meer entfernt liegt, hört und sieht man nun auch wieder die Möwen. Mich fasziniert es jedes Jahr, wie alles wieder erwacht und den kalten Winter hinter sich lässt. Man merkt es auch bei den Schweden. Alle kommen aus ihren Häuserhöhlen raus und werden wieder aktiver und irgendwie auch sozialer. Es wird mehr gespasst, gelacht und wenn die Sonne scheint, haben einfach alle eine gute Zeit. Was mir gerade wieder auffiel ist, dass niemand "Gesundheit" sagt, wenn jemand niest. In so Sachen sind Schweden ein kleines Mysterium. Ich sage es dann immer extra ganz laut ;)

Mit meinem Orchester in Karlshamn haben wir in einem Monat ein Konzert, wo wir Wiener Musik spielen, weshalb wir das vergangene Wochenende sehr intensiv geprobt haben. 
Auch mit dem Theater geht es nun vorwärts und wir nähern uns der Premiere ende April. Ob wir das wirklich auf die Reihe kriegen, ist eine andere Sache. Niemand kann den Text und manchmal kommt nur etwa die Hälfte zu den Proben. Aber wir sind immer noch motiviert und arbeitet nun auch an Bühnenbild, Kostüm etc.


Gestern Abend habe ich mir alleine ein Cello Konzert in Olofström gegönnt. Einfach, weil es gratis für Jugendliche war. Das ältere Paar, welches da mithilft und solche Evente organisiert und welches ich auch kenne, war so glücklich, dass ich kam, dass sie mich sogar zu Fika (Tee und Kuchen) einluden während dem Konzert. Mit dem Cello-Solist, der zur Zeit in Lugano studiert, habe ich über die Berge und das Oboe Spielen diskutiert. 
Ich würde sagen, ich setzte meinen Vorsatz, jede Chance zu packen und meinen Austausch auszunutzen, richtig um und ein solcher Abend motiviert mich zu mehr von diesen Spontan-Aktionen. Und wenn ich diese erlebt habe, habe ich auch ein bisschen mehr Lust, davon auf meinem Blog zu berichten. Also: Hej då så länge!

16. März 2017

Was bringt ein Austauschjahr mit sich?

Viel mehr als man sich vorstellen kann.

Als ich mich angemeldet habe, war mir das überhaupt nicht bewusst. Ich habe es zum einen gemacht, weil meine drei älteren Geschwister alle ein solches Jahr bestritten haben und es so schon fast zu einem Muss wurde. Zum anderen, weil ich mein Leben in der Schweiz so satt hatte. Der Alltagstrott, bei dem man Angst hatte, man könnte ihn nie mehr loswerden. Natürlich war auch der Drang des Entdecken von Neuem vorhanden. Also, ich hatte gar nicht wirklich darüber nachgedacht, was ein solcher Austausch alles mit sich bringt. Wenn ich nun daran denke fühle ich mich ziemlich dumm und unglaublich naiv. Klar habe ich nicht gedacht, dass es ein Spassjahr mit Dauerlächeln werden würde, aber ich hatte schon so meine Vorstellungen und Hoffnungen.

Manchmal fühle man sich vom Austausch total veräppelt und hasst ihn.
Das Verrückteste ist wohl, dass man sich wie der König der Welt fühlen kann, weil man denkt, dass man endlich mit dem ganzen Austausch klarkommt und dann, eine halbe Minute später passiert etwas und man fällt im Sturzfall. Es kann nur eine ganz kleine Geste, eine Nachricht, ein einziges Wort oder ein Blick von jemandem sein und man denkt danach den ganzen Tag darüber nach. Es kann sogar darüber entscheiden, ob der Tag als gut befunden wird oder man ihn lieber vergessen möchte. Unglaublich wie abhängig und armselig das klingt. Aber für mich sind abhängig und Austausch mittlerweile praktisch Synonyme. Man ist eingeschränkt und kann sich nicht alles erlauben. Zum Beispiel muss man bei der Gastfamilie irgendwie schon ziemlich anständig bleiben und nicht einfach seine Meinung sagen obwohl man vielleicht innerlich kocht. So oft hätte ich etwas zu kritisieren, bei dem ich zu Hause keine Sekunde gezögert hätte, es auszusprechen. Aber hier denke ich, dass ich nicht das Recht dazu habe. Diese Familie lässt mich gratis für ein Jahr bei sich wohnen und an ihrem Leben teilnehmen.

Jetzt wo ich hier in Schweden bin, schon seit sechs Monate, stelle ich mir oft die Frage, ob ich mich wieder für dieses Auslandsjahr entscheiden würde. Danach geht mein Gedankengang weiter. Wenn ich mich erneut anmelden würde und erneut anfangen könnte, würde ich etwas anders machen? Würde ich ein anderes Land wählen? Würde ich mich anders präsentieren am ersten Schultag? Würde ich bei meiner ersten Gastfamilie bleiben? Würde ich versuchen die Schule zu wechseln, als ich eine Zeit lang sogar Angst hatte, meine Klasse zu sehen? Würde ich von Anfang an probieren, ein gutes Verhältnis mit meiner Gastschwester aufzubauen?
Die Antwort auf alle diese Fragen: ich weiss nicht, doch was ich weiss ist, dass ich es sowieso nicht mehr ändern kann und jetzt einfach das Beste daraus mache. Das hört sich jetzt total so an, als würde ich es bereuen. Dies ist sicher nicht der Fall. Ich habe bereits soviel gelernt, erlebt und vor allem viel mit mir selber befasst und dadurch besser kennengelernt.
Es ist so eine einmalige Chance, die man nur einmal im Leben kriegt. Viele meiner Freunde sagen, sie gehen dann einfach nach dem Schulabschluss reisen und die Welt entdecken. Der Unterschied zwischen ihrem und meinem Jahr? Ich besuche ein Gymnasium und habe die Möglichkeit, Teil einer völlig neuen Familie zu werden, währendem ich in eine unbekannte Kultur geworfen werde. Viele denken jetzt vielleicht, dass „werfen“ ein unpassender Ausdruck sei, aber ich habe ihn bewusst ausgewählt. Man hat keine Wahl und muss sich einfach möglichst schnell anpassen. Das kann manchmal ziemlich hart sein.
Das mit dem Heimweh hält sich bei mir dank der heutigen Technik in Grenzen. Man kann problemlos mit jeder Person skypen und alles erzählen. Deshalb vermisse ich viel mehr Orte, Gegenstände oder Momente, die mich einfach glücklich machten. Wie ich zum Beispiel in meiner letzten Woche mit meinen drei älteren Geschwistern ein letztes Mal durch unsere Altstadt lief. Oder das Gefühl, wenn ich auf de Gipfel von einem Berg stehe und über die gesamte Schweiz blicken kann. Ja, die Berge fehlen mir sehr.
Mein Leben hat im letzten Sommer einfach genial gewirkt und wenn ich jetzt daran denke, dann find ich es komisch, was ich alles für dieses Jahr aufgegeben habe. Aber ich habe das alles ja im kommenden Sommer ja schon wieder und dann wird ich sicher schnell wieder im Alltagstrott stecken. Zuhause bleibt sowieso das Meiste gleich und ich habe hier die pure Veränderung.

Aber das alles ist nun auf mein Austauschjahr bezogen und beruht auf meinen Erfahrungen und Eindrücken. Es kann sein, dass jemand anderes mir bei allem Geschriebenen widersprechen würde. Ich habe jetzt auch nicht alle Punkte erwähnt, weil es einfach so viele sind.

Also an alle, die mit dem Gedanken spielen, selber einen Austausch zu bestreiten: Ich hoffe, ich habe euch nicht abgeschreckt mit meinem vielleicht ein bisschen negativklingenden Aspekten und zum Schluss kann ich meine eigene Frage beantworten: Ein Austausch bringt also vieles mit sich und das ist auch das Schöne daran. Er ist vielseitig und ein einmaliges Erlebnis. Ja, ich würde mich wieder für diesen Austausch entscheiden!

28. Februar 2017

Doof gelaufen. Oder wohl eher gefahren.

Gerade berichtete ich noch, wie ich mit Aimée ins Krankenhaus gefahren bin und 48 Stunden später, besuche ich schon wieder die Notaufnahme, diesmal Jönköping, diesmal in eigener Sache. Am Donnerstag fuhren wir als Familie nach Hestra zum Skifahren. Ich bin schon länger nicht mehr auf Ski gestanden und fuhr unter diesen Voraussetzungen trotzdem sehr gut. Ich kam schnell wieder in den Rhythmus und raste mit meiner Gastschwester die Piste runter. Dann, bei einer steilen Talfahrt passierte es. Ich wollte schwungvoll runter und verdrehte mir dabei das Knie. Meine Gastfamilie wartete unter auf mich und ich musste sie dann anrufen, dass ich es nicht schaffen würde, aus eigener Kraft runterzukommen. Am Abend besuchte ich dann die Notaufnahme in Jönköping - da wir auf dem Weg zu Freunden in Norrköping unterwegs waren. Nach längerem Warten wurde mein Knie dann schliesslich untersucht und eine Kreuzbandverletzung diagnostiziert. Obwohl meine Gastmutter dabei war und wir versuchten, dem Arzt zu folgen, sind wir uns nicht sicher, ob er nun gesagt hat, es nur leicht angerissen sei oder doch schlimmer. Er erwähnte sogar eine Operation, welche jedoch nicht akut sei und da bekam ich dann schon ziemlich Angst, dass es etwas sei, das mich länger begleiten würde. Nun müssen wir abwarten, bis wir einen Termin im Krankenhaus in Karlshamn bekommen. In Schweden wartet man teilweise ziemlich lange auf so einen. Mich nervt einfach diese Ungewissheit. Im Ausland verletzt zu sein, ist nicht gerade toll.

Die kommende Tage verbrachten wir in Norrköping (4-5 Autostunden nördlich) bei Freunden der Familie. Zu vierzehnt unter einem Dach hatten wir es wirklich sehr gut. Wir genossen das Grossstadtleben sehr und nutzen die vielen Möglichkeiten, die sich da boten.
Eigentlich hatte ich am vergangenen Wochenende geplant, Elsa zu besuchen, aber das konnte ich natürlich dann gleich wieder vergessen. Wenn nichts dazwischen kommt, hole ich es nächstes Wochenende nach.

Nun humple ich auf Krücken seit einigen Tagen, was ziemlich unangenehm ist. Ich muss ständig meine Mitmenschen um Hilfe bitten. Für die kleinsten Sachen und ich fühle mich so hilflos. Am ersten Tag in der Schule wurde ich gleich mal von allen gefragt, was passiert sei und so weiter. Die Treppen und Essensausgabe machen mir zu schaffen. Ich kann im Moment nicht mit dem Fahrrad zur Schule und muss immer gefahren werden - richtig einschränkend. Aber es gibt ja viel schlimmere Dinge auf der Welt und deshalb möchte ich mich auch nicht zu fest beklagen. Ich versuche es zumindest. Dieser Austausch stellt mich vor Herausforderungen und das ist jetzt auch wieder so eine. Sobald ich denke, dass ich etwas gemeistert habe, kommt der Austausch mit einem neuen Hindernis.

22. Februar 2017

Sävsjö und Ohnmacht

Die Ferien haben begonnen und somit auch der Spass. Gleich nach der Schule bin ich zu Sofia (der anderen Schweizerin) nach Sävsjö gefahren. Sie wohnt sehr abgelegen im Wald mit Kühen - richtig schwedisch. Unsere Wiedervereinigung feierten wir mit selbstgemachtem Lindt-Mousse, Rivella, das sie geschickt bekam und einem frisch gebackenen Zopf, der ihre Gastmutter leider einfach in einen Plastiksack am Abend packte, worüber wir uns am nächsten Morgen ziemlich aufgeregt haben. Dazu hörten wir natürlich noch Schweizer Klassiker wie "Ewigi Liebi" und "W.Nuss vo Bümpliz".


Am Tag darauf machten wir uns auf zu einem AFS-Event mit Aktivitäten und Übernachtung. Dieser wurde als Schulprojekt von einer ehemaligen Austauschschülerin organisiert, die letzten Sommer von New Jersey zurückkam. Und zwar begannen wir mit Bodaborg.Das und ist eine Freizeitattraktion für Freunde und auch Familien, die es ein bisschen überall in Schweden gibt. Es gibt verschiedene Schwierigkeitsstufen in unterschiedlichen Räumen. Man kommt einfach in einen Raum und muss heraus finden, was die Aufgabe ist. Wenn man es schafft, geht es weiter in einen nächsten Raum, wo man dann erneut irgendwas herausfinden muss. Scheitert man, muss man nochmals anfangen vom Beginn. Die Aufgaben können Hirn, Geschicklichkeit oder auch Muskeln beanspruchen. Es ist also für jeden was dabei und man muss sehr gut als Team funktionieren. Aber das Schwierige war, darauf zu kommen, was man machen muss. Nach einer Stunde hatten wir noch immer keine Quest geschafft und die Frustration wuchs und wuchs. Zum Glück half uns danach Elsa, das schwedische Mädchen, denn sie war schon öfters da.
Am Abend buken wir schwedischer "Kladdkakan" und "Chokladbollar" und hatten einfach eine sehr gute Zeit. 


Wie richtige Touristen standen wir am nächsten Tag am Zaun des Elchgeheges, ausgerüstet mit unseren Handys und schossen Unmengen Fotos. Ich habe zwar im Herbst schonmal drei Elche gesehen als ich beim Eindunkeln Rad fuhr, aber jetzt endlich mal von Nahem und halt so richtig. Wir konnten sie sogar streicheln und ich habe genau dann entschieden, dass ich ein neues Lieblingstier habe. Aber die Rentiere waren auch sehr liebenswert. Die anderen haben anschliessend noch Elchwurst gebraten, worauf ich dankend verzichtete.



High Five Elch!

 Mit Elsa konnte ich unglaublich gut sprechen und wir fanden sehr viele Gemeinsamkeiten aus unseren Austauschjahr. Klar kann man mit allen Menschen über den Austausch sprechen, aber nur wenn man das Selbe durchlebt hat, kann nachvollziehen, wie man sich fühlt. Es hat einfach sehr gut getan, mal alles abzuladen. Sie hat mir auch gleich angeboten, dass ich sie immer anrufen könne, wenn ich ein Problem habe. Auch wenn es Zwei Uhr in der Nacht sei. Als ich ihr dann noch erzählte, dass ich es schwierig finde mit Freunden in der Schule und auch sonst einige Probleme habe, bekam ich sogar das Angebot, bei ihrer Familie einzuziehen. Das habe ich dann dankend abgelehnt. Aber wenn ich nicht so eine tolle Gastfamilie hätte, wer ich von der Idee sehr angetan. Mir ist wieder eingefallen, dass ich genau wegen solchen Menschen diesen Aufenthalt hier in Schweden mache.

Danach blieb ich noch einen Tag bei Sofia und nachdem wir uns Växjö angeschaut haben, fuhr ich dann nach Hause. Es waren sehr intensive Tage und ich war dann schon ziemlich froh, als ich endlich wieder in meinem eigenen Bett schlafen konnte. Doch am nächsten Morgen ging es schon wieder mit dem Zug Richtung Malmö, wo ich mit Aimée zum Einkaufen verabredet war. Nachdem wir nach zwei Stunden langsam hungrig wurden, suchten wir uns ein kleines Café im Shoppingcenter. Als wir eben an der Theke auf unser Essen warteten, kamen auf einmal meine Nachbaren um die Ecke. Was für ein Zufall, dass wir uns genau in Malmö trafen. Auf einmal brach Aimée neben mir zusammen und lag bewusstlos am Boden. Ich war richtig überfordert mit der Situation, weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Zum Glück war meine Nachbarin da, die gleich reagierte und den Krankenwagen rief. Ich stand unglaublich unter Schock, fast noch mehr als Aimée. Ihr ging es danach erstaunlich gut, aber zur Kontrolle fuhren wir dann noch mit der Ambulanz ins Krankenhaus. Tja, nun haben wir auch ein schwedisches Krankenhaus erlebt, hätten jedoch auch gerne darauf verzichten können. Die Ärzte konnten uns auch nicht erklären, wieso dies passierte, aber lieber einmal zu viel abchecken als einmal zu wenig. Keine Angst, es geht ihr gut und ihre Gastmutter kam dann auch ziemlich schnell zu uns. 


Heute konnte ich ein bisschen verschnaufen, bevor es dann morgen zum Skifahren und zu Elsa geht.

13. Februar 2017

mehr Schnee!

Was für ein Tag für die Schweiz bei der Ski-WM in St. Moritz! Gold und Bronze in der Kombination. Auch wenn ich jetzt eigentlich die schwedischen Fahrer anfeuern müsste, gehört mein Herz doch immer noch der Schweiz. Zum Glück kann ich diese Rennen sogar hier schauen, jedoch mit schwedischen Kommentatoren. Ziemlich witzig, was die über uns Schweizer sagen.



Als würde das irgendwie einen Zusammenhang haben, hat es passend zum Auftakt der Skirennen in der Schweiz, hier angefangen zu schneien und nun haben wir stolze zehn Zentimeter Neuschnee. Schneeengel, Schneeballschlacht und langer Spaziergang im Wald wurden schon erledigt und jetzt fehlt nur noch das Skifahren, welches ich vielleicht in den Sportferien in einer Woche abhacken kann.

Wunderschön heute beim Joggen im Wald
Ansonsten renovieren wir fleissig am Häuschen, das meine Gastfamilie gekauft hat um es zu einem SPA umzubauen. Der absolute Traum von meiner Gastmutter. Das heisst, alles ausräumen, Wände einreisen, Holz zerschmettern und dann noch alles entsorgen. Es ist ziemlich cool, weil man einfach alles zerstören darf und man kann seine Aggressionen, die uns alle ja manchmal plagen, so richtig daran auslassen. Meine Gastmutter hat unglaublich viele tolle Ideen und wir müssen sie dann manchmal wieder auf den Boden zurück holen, da die manche schlicht nicht möglich sind. 


Dass meine Gasteltern dieses Haus jetzt auch noch gekauft haben, macht meiner Gastschwester einen Strich durch die Rechnung. Die versucht täglich ihre Eltern zu überzeugen, doch in die USA zu ziehen, nach Beverly Hills. Wie ihr lesen könnt ist also alles wie immer und ich versuche nicht im Alltagstrott hängen zu bleiben. Besonders wenn einfach alle in der Schweiz irgendwo in den Bergen am Ski fahren sind. In einer Woche sind jedoch auch bei uns Sportferien! Zuerst habe ich einen AFS-Event, wo wir einen Elchpark besuchen. Wie man sich den vorstellen soll weiss ich auch noch nicht, aber es klingt sehr schwedisch. Denn Rest planiere ich ein bisschen spontan.

Am Wochenende hatte mein Gastvater von der alten Gastfamilie Geburtstag und diesen feierten wir am "Midvinterton". Dies ist ein Festival mit Volksmusik. Klingt ziemlich speziell und das war es auch. Aber unglaublich spannend für mich. Wieder konnte ich eine Stück der schwedisch Kultur hinzufügen. Es traten ganz viele Band auf und neben traditionelle Liedern wurde auch Tango, Rock und Country gespielt.


Leider muss ich auch wieder schreiben, dass es einfach schwierig ist in der Schule. Ich habe zwar mein Grüppchen von Freunden, aber nicht in der Klasse. Dort versuche ich immer noch richtig Anschluss zu finden.  Es gibt super gute Tage, wo wir es wirklich gut haben und dann immer wieder solche Tage, wo ich praktisch ignoriert werde. Langsam muss ich es wohl aufgeben, denn ich kann sie ja auch nicht zwingen, sich mit mir abzugeben. Ich finde es irgendwie einfach nur schade, denn sie sind echt coole Leute.
In den letzten Wochen war es für mich durchgehend schwierig meinen Austausch positiv zu sehen. Ich fühlte mich ein bisschen verloren hier und würde gerne noch mal in den Herbst zurück gehen, wo alles noch so toll und neu war. Ich würde gerne einiges anders machen, aber das geht ja nicht oder? Deshalb versuche ich im Moment mich wieder zu finden und einfach nochmals alles zu geben. Wer hat schon diese Möglichkeit wie ich, ein Jahr hier zu sein und so viel Neues zu entdecken?

Kurzes Talk zu dritt
In diesen Zeiten hilft es mir immer, mit meinen Freunden zu skypen und ein bisschen an dem Schweizer Leben teilzunehmen. Egal ob es noch so unnötige Sachen sind, die wir uns erzählen, tut es einfach immer richtig gut und erinnert mich an meine tollen, einzigartigen Freunden. Auf meinen Handy-Notizen befinden sich bereits viele auf bestimmte Freunde bezogene To-do-Listen, die dann im Sommer alle abgearbeitet werden. Darauf freue ich mich jetzt schon und es ist irgendwie ein Licht am Ende des Tunnels für mich.