16. März 2017

Was bringt ein Austauschjahr mit sich?

Viel mehr als man sich vorstellen kann.

Als ich mich angemeldet habe, war mir das überhaupt nicht bewusst. Ich habe es zum einen gemacht, weil meine drei älteren Geschwister alle ein solches Jahr bestritten haben und es so schon fast zu einem Muss wurde. Zum anderen, weil ich mein Leben in der Schweiz so satt hatte. Der Alltagstrott, bei dem man Angst hatte, man könnte ihn nie mehr loswerden. Natürlich war auch der Drang des Entdecken von Neuem vorhanden. Also, ich hatte gar nicht wirklich darüber nachgedacht, was ein solcher Austausch alles mit sich bringt. Wenn ich nun daran denke fühle ich mich ziemlich dumm und unglaublich naiv. Klar habe ich nicht gedacht, dass es ein Spassjahr mit Dauerlächeln werden würde, aber ich hatte schon so meine Vorstellungen und Hoffnungen.

Manchmal fühle man sich vom Austausch total veräppelt und hasst ihn.
Das Verrückteste ist wohl, dass man sich wie der König der Welt fühlen kann, weil man denkt, dass man endlich mit dem ganzen Austausch klarkommt und dann, eine halbe Minute später passiert etwas und man fällt im Sturzfall. Es kann nur eine ganz kleine Geste, eine Nachricht, ein einziges Wort oder ein Blick von jemandem sein und man denkt danach den ganzen Tag darüber nach. Es kann sogar darüber entscheiden, ob der Tag als gut befunden wird oder man ihn lieber vergessen möchte. Unglaublich wie abhängig und armselig das klingt. Aber für mich sind abhängig und Austausch mittlerweile praktisch Synonyme. Man ist eingeschränkt und kann sich nicht alles erlauben. Zum Beispiel muss man bei der Gastfamilie irgendwie schon ziemlich anständig bleiben und nicht einfach seine Meinung sagen obwohl man vielleicht innerlich kocht. So oft hätte ich etwas zu kritisieren, bei dem ich zu Hause keine Sekunde gezögert hätte, es auszusprechen. Aber hier denke ich, dass ich nicht das Recht dazu habe. Diese Familie lässt mich gratis für ein Jahr bei sich wohnen und an ihrem Leben teilnehmen.

Jetzt wo ich hier in Schweden bin, schon seit sechs Monate, stelle ich mir oft die Frage, ob ich mich wieder für dieses Auslandsjahr entscheiden würde. Danach geht mein Gedankengang weiter. Wenn ich mich erneut anmelden würde und erneut anfangen könnte, würde ich etwas anders machen? Würde ich ein anderes Land wählen? Würde ich mich anders präsentieren am ersten Schultag? Würde ich bei meiner ersten Gastfamilie bleiben? Würde ich versuchen die Schule zu wechseln, als ich eine Zeit lang sogar Angst hatte, meine Klasse zu sehen? Würde ich von Anfang an probieren, ein gutes Verhältnis mit meiner Gastschwester aufzubauen?
Die Antwort auf alle diese Fragen: ich weiss nicht, doch was ich weiss ist, dass ich es sowieso nicht mehr ändern kann und jetzt einfach das Beste daraus mache. Das hört sich jetzt total so an, als würde ich es bereuen. Dies ist sicher nicht der Fall. Ich habe bereits soviel gelernt, erlebt und vor allem viel mit mir selber befasst und dadurch besser kennengelernt.
Es ist so eine einmalige Chance, die man nur einmal im Leben kriegt. Viele meiner Freunde sagen, sie gehen dann einfach nach dem Schulabschluss reisen und die Welt entdecken. Der Unterschied zwischen ihrem und meinem Jahr? Ich besuche ein Gymnasium und habe die Möglichkeit, Teil einer völlig neuen Familie zu werden, währendem ich in eine unbekannte Kultur geworfen werde. Viele denken jetzt vielleicht, dass „werfen“ ein unpassender Ausdruck sei, aber ich habe ihn bewusst ausgewählt. Man hat keine Wahl und muss sich einfach möglichst schnell anpassen. Das kann manchmal ziemlich hart sein.
Das mit dem Heimweh hält sich bei mir dank der heutigen Technik in Grenzen. Man kann problemlos mit jeder Person skypen und alles erzählen. Deshalb vermisse ich viel mehr Orte, Gegenstände oder Momente, die mich einfach glücklich machten. Wie ich zum Beispiel in meiner letzten Woche mit meinen drei älteren Geschwistern ein letztes Mal durch unsere Altstadt lief. Oder das Gefühl, wenn ich auf de Gipfel von einem Berg stehe und über die gesamte Schweiz blicken kann. Ja, die Berge fehlen mir sehr.
Mein Leben hat im letzten Sommer einfach genial gewirkt und wenn ich jetzt daran denke, dann find ich es komisch, was ich alles für dieses Jahr aufgegeben habe. Aber ich habe das alles ja im kommenden Sommer ja schon wieder und dann wird ich sicher schnell wieder im Alltagstrott stecken. Zuhause bleibt sowieso das Meiste gleich und ich habe hier die pure Veränderung.

Aber das alles ist nun auf mein Austauschjahr bezogen und beruht auf meinen Erfahrungen und Eindrücken. Es kann sein, dass jemand anderes mir bei allem Geschriebenen widersprechen würde. Ich habe jetzt auch nicht alle Punkte erwähnt, weil es einfach so viele sind.

Also an alle, die mit dem Gedanken spielen, selber einen Austausch zu bestreiten: Ich hoffe, ich habe euch nicht abgeschreckt mit meinem vielleicht ein bisschen negativklingenden Aspekten und zum Schluss kann ich meine eigene Frage beantworten: Ein Austausch bringt also vieles mit sich und das ist auch das Schöne daran. Er ist vielseitig und ein einmaliges Erlebnis. Ja, ich würde mich wieder für diesen Austausch entscheiden!

28. Februar 2017

Doof gelaufen. Oder wohl eher gefahren.

Gerade berichtete ich noch, wie ich mit Aimée ins Krankenhaus gefahren bin und 48 Stunden später, besuche ich schon wieder die Notaufnahme, diesmal Jönköping, diesmal in eigener Sache. Am Donnerstag fuhren wir als Familie nach Hestra zum Skifahren. Ich bin schon länger nicht mehr auf Ski gestanden und fuhr unter diesen Voraussetzungen trotzdem sehr gut. Ich kam schnell wieder in den Rhythmus und raste mit meiner Gastschwester die Piste runter. Dann, bei einer steilen Talfahrt passierte es. Ich wollte schwungvoll runter und verdrehte mir dabei das Knie. Meine Gastfamilie wartete unter auf mich und ich musste sie dann anrufen, dass ich es nicht schaffen würde, aus eigener Kraft runterzukommen. Am Abend besuchte ich dann die Notaufnahme in Jönköping - da wir auf dem Weg zu Freunden in Norrköping unterwegs waren. Nach längerem Warten wurde mein Knie dann schliesslich untersucht und eine Kreuzbandverletzung diagnostiziert. Obwohl meine Gastmutter dabei war und wir versuchten, dem Arzt zu folgen, sind wir uns nicht sicher, ob er nun gesagt hat, es nur leicht angerissen sei oder doch schlimmer. Er erwähnte sogar eine Operation, welche jedoch nicht akut sei und da bekam ich dann schon ziemlich Angst, dass es etwas sei, das mich länger begleiten würde. Nun müssen wir abwarten, bis wir einen Termin im Krankenhaus in Karlshamn bekommen. In Schweden wartet man teilweise ziemlich lange auf so einen. Mich nervt einfach diese Ungewissheit. Im Ausland verletzt zu sein, ist nicht gerade toll.

Die kommende Tage verbrachten wir in Norrköping (4-5 Autostunden nördlich) bei Freunden der Familie. Zu vierzehnt unter einem Dach hatten wir es wirklich sehr gut. Wir genossen das Grossstadtleben sehr und nutzen die vielen Möglichkeiten, die sich da boten.
Eigentlich hatte ich am vergangenen Wochenende geplant, Elsa zu besuchen, aber das konnte ich natürlich dann gleich wieder vergessen. Wenn nichts dazwischen kommt, hole ich es nächstes Wochenende nach.

Nun humple ich auf Krücken seit einigen Tagen, was ziemlich unangenehm ist. Ich muss ständig meine Mitmenschen um Hilfe bitten. Für die kleinsten Sachen und ich fühle mich so hilflos. Am ersten Tag in der Schule wurde ich gleich mal von allen gefragt, was passiert sei und so weiter. Die Treppen und Essensausgabe machen mir zu schaffen. Ich kann im Moment nicht mit dem Fahrrad zur Schule und muss immer gefahren werden - richtig einschränkend. Aber es gibt ja viel schlimmere Dinge auf der Welt und deshalb möchte ich mich auch nicht zu fest beklagen. Ich versuche es zumindest. Dieser Austausch stellt mich vor Herausforderungen und das ist jetzt auch wieder so eine. Sobald ich denke, dass ich etwas gemeistert habe, kommt der Austausch mit einem neuen Hindernis.

22. Februar 2017

Sävsjö und Ohnmacht

Die Ferien haben begonnen und somit auch der Spass. Gleich nach der Schule bin ich zu Sofia (der anderen Schweizerin) nach Sävsjö gefahren. Sie wohnt sehr abgelegen im Wald mit Kühen - richtig schwedisch. Unsere Wiedervereinigung feierten wir mit selbstgemachtem Lindt-Mousse, Rivella, das sie geschickt bekam und einem frisch gebackenen Zopf, der ihre Gastmutter leider einfach in einen Plastiksack am Abend packte, worüber wir uns am nächsten Morgen ziemlich aufgeregt haben. Dazu hörten wir natürlich noch Schweizer Klassiker wie "Ewigi Liebi" und "W.Nuss vo Bümpliz".


Am Tag darauf machten wir uns auf zu einem AFS-Event mit Aktivitäten und Übernachtung. Dieser wurde als Schulprojekt von einer ehemaligen Austauschschülerin organisiert, die letzten Sommer von New Jersey zurückkam. Und zwar begannen wir mit Bodaborg.Das und ist eine Freizeitattraktion für Freunde und auch Familien, die es ein bisschen überall in Schweden gibt. Es gibt verschiedene Schwierigkeitsstufen in unterschiedlichen Räumen. Man kommt einfach in einen Raum und muss heraus finden, was die Aufgabe ist. Wenn man es schafft, geht es weiter in einen nächsten Raum, wo man dann erneut irgendwas herausfinden muss. Scheitert man, muss man nochmals anfangen vom Beginn. Die Aufgaben können Hirn, Geschicklichkeit oder auch Muskeln beanspruchen. Es ist also für jeden was dabei und man muss sehr gut als Team funktionieren. Aber das Schwierige war, darauf zu kommen, was man machen muss. Nach einer Stunde hatten wir noch immer keine Quest geschafft und die Frustration wuchs und wuchs. Zum Glück half uns danach Elsa, das schwedische Mädchen, denn sie war schon öfters da.
Am Abend buken wir schwedischer "Kladdkakan" und "Chokladbollar" und hatten einfach eine sehr gute Zeit. 


Wie richtige Touristen standen wir am nächsten Tag am Zaun des Elchgeheges, ausgerüstet mit unseren Handys und schossen Unmengen Fotos. Ich habe zwar im Herbst schonmal drei Elche gesehen als ich beim Eindunkeln Rad fuhr, aber jetzt endlich mal von Nahem und halt so richtig. Wir konnten sie sogar streicheln und ich habe genau dann entschieden, dass ich ein neues Lieblingstier habe. Aber die Rentiere waren auch sehr liebenswert. Die anderen haben anschliessend noch Elchwurst gebraten, worauf ich dankend verzichtete.



High Five Elch!

 Mit Elsa konnte ich unglaublich gut sprechen und wir fanden sehr viele Gemeinsamkeiten aus unseren Austauschjahr. Klar kann man mit allen Menschen über den Austausch sprechen, aber nur wenn man das Selbe durchlebt hat, kann nachvollziehen, wie man sich fühlt. Es hat einfach sehr gut getan, mal alles abzuladen. Sie hat mir auch gleich angeboten, dass ich sie immer anrufen könne, wenn ich ein Problem habe. Auch wenn es Zwei Uhr in der Nacht sei. Als ich ihr dann noch erzählte, dass ich es schwierig finde mit Freunden in der Schule und auch sonst einige Probleme habe, bekam ich sogar das Angebot, bei ihrer Familie einzuziehen. Das habe ich dann dankend abgelehnt. Aber wenn ich nicht so eine tolle Gastfamilie hätte, wer ich von der Idee sehr angetan. Mir ist wieder eingefallen, dass ich genau wegen solchen Menschen diesen Aufenthalt hier in Schweden mache.

Danach blieb ich noch einen Tag bei Sofia und nachdem wir uns Växjö angeschaut haben, fuhr ich dann nach Hause. Es waren sehr intensive Tage und ich war dann schon ziemlich froh, als ich endlich wieder in meinem eigenen Bett schlafen konnte. Doch am nächsten Morgen ging es schon wieder mit dem Zug Richtung Malmö, wo ich mit Aimée zum Einkaufen verabredet war. Nachdem wir nach zwei Stunden langsam hungrig wurden, suchten wir uns ein kleines Café im Shoppingcenter. Als wir eben an der Theke auf unser Essen warteten, kamen auf einmal meine Nachbaren um die Ecke. Was für ein Zufall, dass wir uns genau in Malmö trafen. Auf einmal brach Aimée neben mir zusammen und lag bewusstlos am Boden. Ich war richtig überfordert mit der Situation, weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Zum Glück war meine Nachbarin da, die gleich reagierte und den Krankenwagen rief. Ich stand unglaublich unter Schock, fast noch mehr als Aimée. Ihr ging es danach erstaunlich gut, aber zur Kontrolle fuhren wir dann noch mit der Ambulanz ins Krankenhaus. Tja, nun haben wir auch ein schwedisches Krankenhaus erlebt, hätten jedoch auch gerne darauf verzichten können. Die Ärzte konnten uns auch nicht erklären, wieso dies passierte, aber lieber einmal zu viel abchecken als einmal zu wenig. Keine Angst, es geht ihr gut und ihre Gastmutter kam dann auch ziemlich schnell zu uns. 


Heute konnte ich ein bisschen verschnaufen, bevor es dann morgen zum Skifahren und zu Elsa geht.

13. Februar 2017

mehr Schnee!

Was für ein Tag für die Schweiz bei der Ski-WM in St. Moritz! Gold und Bronze in der Kombination. Auch wenn ich jetzt eigentlich die schwedischen Fahrer anfeuern müsste, gehört mein Herz doch immer noch der Schweiz. Zum Glück kann ich diese Rennen sogar hier schauen, jedoch mit schwedischen Kommentatoren. Ziemlich witzig, was die über uns Schweizer sagen.



Als würde das irgendwie einen Zusammenhang haben, hat es passend zum Auftakt der Skirennen in der Schweiz, hier angefangen zu schneien und nun haben wir stolze zehn Zentimeter Neuschnee. Schneeengel, Schneeballschlacht und langer Spaziergang im Wald wurden schon erledigt und jetzt fehlt nur noch das Skifahren, welches ich vielleicht in den Sportferien in einer Woche abhacken kann.

Wunderschön heute beim Joggen im Wald
Ansonsten renovieren wir fleissig am Häuschen, das meine Gastfamilie gekauft hat um es zu einem SPA umzubauen. Der absolute Traum von meiner Gastmutter. Das heisst, alles ausräumen, Wände einreisen, Holz zerschmettern und dann noch alles entsorgen. Es ist ziemlich cool, weil man einfach alles zerstören darf und man kann seine Aggressionen, die uns alle ja manchmal plagen, so richtig daran auslassen. Meine Gastmutter hat unglaublich viele tolle Ideen und wir müssen sie dann manchmal wieder auf den Boden zurück holen, da die manche schlicht nicht möglich sind. 


Dass meine Gasteltern dieses Haus jetzt auch noch gekauft haben, macht meiner Gastschwester einen Strich durch die Rechnung. Die versucht täglich ihre Eltern zu überzeugen, doch in die USA zu ziehen, nach Beverly Hills. Wie ihr lesen könnt ist also alles wie immer und ich versuche nicht im Alltagstrott hängen zu bleiben. Besonders wenn einfach alle in der Schweiz irgendwo in den Bergen am Ski fahren sind. In einer Woche sind jedoch auch bei uns Sportferien! Zuerst habe ich einen AFS-Event, wo wir einen Elchpark besuchen. Wie man sich den vorstellen soll weiss ich auch noch nicht, aber es klingt sehr schwedisch. Denn Rest planiere ich ein bisschen spontan.

Am Wochenende hatte mein Gastvater von der alten Gastfamilie Geburtstag und diesen feierten wir am "Midvinterton". Dies ist ein Festival mit Volksmusik. Klingt ziemlich speziell und das war es auch. Aber unglaublich spannend für mich. Wieder konnte ich eine Stück der schwedisch Kultur hinzufügen. Es traten ganz viele Band auf und neben traditionelle Liedern wurde auch Tango, Rock und Country gespielt.


Leider muss ich auch wieder schreiben, dass es einfach schwierig ist in der Schule. Ich habe zwar mein Grüppchen von Freunden, aber nicht in der Klasse. Dort versuche ich immer noch richtig Anschluss zu finden.  Es gibt super gute Tage, wo wir es wirklich gut haben und dann immer wieder solche Tage, wo ich praktisch ignoriert werde. Langsam muss ich es wohl aufgeben, denn ich kann sie ja auch nicht zwingen, sich mit mir abzugeben. Ich finde es irgendwie einfach nur schade, denn sie sind echt coole Leute.
In den letzten Wochen war es für mich durchgehend schwierig meinen Austausch positiv zu sehen. Ich fühlte mich ein bisschen verloren hier und würde gerne noch mal in den Herbst zurück gehen, wo alles noch so toll und neu war. Ich würde gerne einiges anders machen, aber das geht ja nicht oder? Deshalb versuche ich im Moment mich wieder zu finden und einfach nochmals alles zu geben. Wer hat schon diese Möglichkeit wie ich, ein Jahr hier zu sein und so viel Neues zu entdecken?

Kurzes Talk zu dritt
In diesen Zeiten hilft es mir immer, mit meinen Freunden zu skypen und ein bisschen an dem Schweizer Leben teilzunehmen. Egal ob es noch so unnötige Sachen sind, die wir uns erzählen, tut es einfach immer richtig gut und erinnert mich an meine tollen, einzigartigen Freunden. Auf meinen Handy-Notizen befinden sich bereits viele auf bestimmte Freunde bezogene To-do-Listen, die dann im Sommer alle abgearbeitet werden. Darauf freue ich mich jetzt schon und es ist irgendwie ein Licht am Ende des Tunnels für mich. 

25. Januar 2017

Halbzeit

Genau heute feiere oder wohl eher beklage ich die Halbzeit meines Austauschjahres. Für alle die nun gerne ausrechnen möchten, wann ich endlich wieder kommen: ich bin am 19. August nach Schweden. Also noch genau 159 Tage, bis ich wieder auf Schweizer Boden stehen werde. Ungefähr anfangs Juli ;)
Ich konnte mich immer damit trösten, dass mir ja noch mehr als die Hälfte meines Austausches bevor steht und in dieser Zeit noch sehr viel erleben werde, doch jetzt komm ich mit dieser Ausrede nicht mehr durch. Vom Gefühl her stehe ich immer noch in der Anfangsphase dieses Jahres und es klingt vollkommen unrealistisch, dass ich in 5 Monaten wieder zu Hause sein werde. 
Obwohl ich die ganze Zeit jammere, wie schnell das Jahr umgeht, kommt es mir so vor, als wäre ich ewig nicht mehr zu Hause gewesen.
Ich kann mich schon gar nicht mehr an die simpelsten Dinge erinnern, zum Beispiel wie unser Gartentor quietscht, wenn man es aufstösst oder wie unsere Schulklingel tönt. Ich fange an die Kleinigkeiten, die ich eigentlich hasse, zu vermissen. Wenn mich meine Schwester auslacht, wenn ich beim Haare zusammen binden in den Spiegel in unserem Zimmer schaue oder wie mich mein Bruder immer erschreckt, wenn ich in unserem Treppenhaus um die Ecke komme. All diese Dinge scheinen so unerreichbar. 
Doch wenn ich wieder zu Hause bin habe ich ja noch genug Zeit, um all diese Dinge zu erleben. Darum lebe ich im jetzt und geniesse Schweden!
Morgen werde ich schon wieder nach Stockholm reisen zu den Berzeliustagen. Gymnasiumschüler aus ganz Schweden werden für zwei Tagen an Chemievorlesungen an der Universität teilnehmen.

19. Januar 2017

Von Neujahr, Lund und dem Midstay-camp

Nach Weihnachten kam dann auch schon bald Neujahr, welches ich mit Aimée (der Austauschschülerin aus Deutschland) und einigen Freunden aus der Schule verbrachte. Es war ein sehr gemütlicher Abend und wir haben aus 2016 nochmals alles rausgeholt. Um zwölf Uhr gingen wir auf einen kleinen Hügel und schauten all den kleinen Feuerwerken um uns herum zu. Als wir runter zählten konnte keiner von uns fassen, dass wir wirklich in ein neues Jahr starteten. Ich habe ihnen dann noch das schweizerische "Es guets Nois!" beigebracht.

Die zwei hatten 2016 voll durchgezogen, keine Süssigkeiten zu essen - endlich wieder
Zwei Austauschschüler haben Freude an der Natur
Am zweiten Tag des neuen Jahres fuhr ich mit Aimée zu ihr nach Eslöv. Das liegt ungefähr 10 Autominuten von Lund entfernt, wo wir auch gleich den nächsten Tag verbrachten. Eine herzige Studentenstadt mit vielen bunten Häusern und kleinen heimeligen Cafés und Geschäften. Doch wir haben auch ein bisschen Geschichte aufgeschnappt und besuchten den Dom. Dort wurde per Zufall gerade eine Führung gehalten, welche überraschenderweise sehr packend war. 



Wenn man allen mitteilen muss, was man für fancy Zeug isst
Die ganzen Ferien hatte es keinen Schnee, was eigentlich ziemlich lustig ist. Da es in der Schweiz welchen hatte und ich hier im Norden sehnlichst jeden Morgen aus der Fenster sah, mit der Hoffnung, endlich ein bisschen weiss zu erblicken. Jedoch war es einige Tage -15°C kalt und da der Strand bei unserem Ferienhaus vor der Kältewelle überschwemmt wurde, gefror das Wasser dort. So montierten wir Schlittschuhe, die ich übrigens zu Weihnachten bekam und fuhren eine Runde auf unserem privaten Eisfeld.





Es gab dann doch noch eine Ladung Schnee und wir mussten die Chance natürlich nutzen.
Unser Schneemannfreund Rudi hat jedoch nur etwa 12 Stunden gelebt danke dem Regen am nächsten Tag.


Am letzten Wochenende hatten wir das "Midstay-camp" in Stockholm mit allen  ca. 80 AFS Austauschschülern. Es war das erste Wiedersehen seit August (ausser mit denen, die in meiner Region wohnen) und sehr interessant zu beobachten, wie sich alle verändert haben. Doch alle Italiener, welchen mit 17 Stück das Lager definitiv dominierten, blieben gleich laut. Spannend, zu hören, wie es allen erging und auch eine schöne Abwechslung von all den Schweden. Ich glaube, wir Austauschschüler sind alle der gleichen Meinung, dass Schweden harte Nüsse sind zu knacken und es deshalb schön ist, mal wieder Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen.



Obwohl nun wir alle schon (auf den Tag genau) 5 Monate hier sind, beherrschte noch immer Englisch die Konversationen. In kleineren Gruppen behandelten wir verschiedene Themen und hatten ein Rück- und Ausblick auf über die gesamte Zeitspanne. Ebenfalls haben wir den Brief, welchen wir bei der Ankunft im August uns selber geschrieben haben, zurückgegeben. Diesen zu lesen war irgendwie Trauer und Motivation zugleich.



Jeder hatte ein individuelles Gespräch mit einem AFS Volontär, wo man ein bisschen von seinen Austauschschwierigkeiten erzählen konnte. Es tat gut, mal einfach alles abladen zu können und mein Volontär Philip half mir wirklich, meine Probleme von einem anderen Blickwinkel zu sehen. Vor dem Camp, hatte ich wieder ein kleines Tief mit Schulfreunden, doch nach all den Gesprächen mit den anderen, konnte ich neuen Mut fassen und ich nehme mir vor, es einfach immer und immer wieder zu versuchen.

Wer findet mich?
Die Volontäre haben uns daran erinnert, dass es wir waren, die dieses Jahr gewählt haben und es uns zur Aufgabe machen müssen, dass es toll wird. Und sie haben Recht.
Ich möchte alles aus meinem restlichen 5 Monaten in Schweden rauszuholen. Ich möchte später auf dieses Jahr zurückblicken können und sagen:" Ja, Schweden war eine unglaublich spannende und tolle Erfahrung. Würde ich sofort wieder machen. Vielleicht war es nicht das beste Jahr meines noch so jungen Lebens, aber sicher das aussergewöhnlichste! " Also werde ich jede Chance nutzen, jeden Tag und vielleicht werde ich am Schluss die Nase voll von Schweden haben, vielleicht werde ich nicht die besten Freunde hier finden. Aber dann weiss ich zumindest, dass ich alles versucht habe und es vielleicht nicht an mir liegt. Ich habe bereit so viel gelernt, wurde selbstständiger, offener, bekam mehr Selbstvertrauen und bin irgendwie ganz eine andere Lilja.

28. Dezember 2016

Jul

Jedes Jahr kommt sie, doch jedes Jahr ein bisschen anders. Die Weihnachtszeit. Manchmal beginnt sie anfangs Monat, wenn der Radiosender anfängt, passende Lieder zu spielen. Manchmal erst dann, wenn man die Dekoration auspackt und Weihnachtsgebäck im Ofen ist. Vielleicht kommt sie aber auch gar nicht und auf einmal ist es Heiligabend und man wird von den Feierlichkeiten überrumpelt. Dies war für mich dieses Jahr der Fall. An was es gelegen hat, ist mir selbst ein Rätsel. Vielleicht war der Grund, dass es sonnig und warm (kein Schnee) draussen ist, oder weil ich nicht zu Hause bin.


Als ich 6 Jahre alt war, haben wir eine zwei monatiger Reise von den Weihnachtsferien bis zu den Sportferien unternommen. Wir besuchten einige kanarische Inseln und Marokko, wo wir unter anderem einige Tage in der Sahara verbrachten. Dies war eine der tollsten Dinge in meinem noch jungen Leben, die ich je erlebt habe. Aber der Punkt ist, dass ich damals Weihnachten auch nicht zu Hause in der winterlichen Schweiz verbracht habe, sondern zwischen Palmen auf dem sonnigen, warmen Teneriffa. Doch es gab für jedes Kind ein Geschenk und ich war mit meiner Familie zusammen, vielleicht brachte das die Weihnachtsstimmung. 
Nun, genau 10 Jahre später, bin ich wieder in einem fremden Land in dieser Zeit und es macht mir gar nicht so viel aus, wie sich alle vorstellen. Klar ist es komisch zu wissen, dass meine Familie zusammen feiert, ohne mich. Sie nutzen, wie mein Bruder sagte, das Jahr, in dem ich nicht da bin aus, um mal nicht einen Weihnachtsbaum haben zu müssen und das ganze andere Zeugs. Weil ich anscheinend sie immer dazu bringe, alles auf Weihnachten einzustellen. Mein Hauptargument: Meine Geschwister hatten, weil sie älter sind, viel mehr Weihnachten als ich. Stimmt ja auch.

Aber wer hat schon die Möglichkeit, ein richtig schwedisches Weihnachten zu verbringen mit allem Drum und Dran? Richtig, nicht jeder, darum hier eine kleine Zusammenfassung meines schwedischen Weihnachten:

Am 23. Dezember erledigten wir als ganze Familie die letzten Weihnachtseinkäufe, kauften unter anderem einen Weihnachtsbaum. Wir fuhren von Laden zu Laden, doch alle Verkäufer mit Bäumen hatten bereits Feierabend gemacht. Schliesslich wurden wir an einem Strassenrandverkauf fündig. Das nächste Problem wartete bereits auf auf uns zu Hause. Wir hatten keinen Stern für die Spitze unseres Baumes. Doch meine Linn hatte für alles eine Lösung. "Wir können ein Foto von mir nehmen. Ich bin auch ein Stern".
Gesagt, getan. Danach versuchten wir noch ein Lebkuchenhaus zu zimmern. Mit Betonung auf versuchten. Am Schluss waren nicht nur alle Stücke des Hauses kaputt, sondern auch eine Handyscheibe. Klar, dass wir dann ziemlich schnell aufgaben und uns mit dem begnügten, was wir erreicht haben an diesem Abend.


An Heiligabend feierten wir bei der Schwester meiner Gastmutter mit vielen Verwandten. In Schweden ist es normal, dass man sich in der ganzen Familie trifft und sich zu einer grossen Gesellschaft ansammelt. Um Punkt drei schlug der Stromverbrauch in Schweden dann massiv an, wenn alle "Kalle Anka och hans vänner önskar god jul" schauten. Seit 1960 kommt das amerikanische Fernsehprogramm mit Donald Duck im schwedischen Fernseh, immer am 24. Dezember um Drei. Mittlerweile eine Tradition und oft sind es die Erwachsenen, welche die Initiative ergreifen, dieses Jahr wieder zusammen Kalle Anka zu schauen. Da sie damit aufgewachsen sind und es früher nicht alltäglich war, so etwas zu schauen. Die heutige Technik nimmt der ganzen Sache ein wenig den Zauber. 


Anschliessend richteten wir das Essen an, welches man "Julbord" nennt und übersetzt lediglich Weihnachtstisch bedeutet. Was jedoch Sinn macht, da es aus ganz vielen verschiedenen Gerichten besteht, welche man sich selbst an einem Tisch aussuchen kann. Es ist ziemlich fleischlastig mit Fleischbällchen, Weihnachtsschinken und einigem mehr. Da ich kein Fleisch esse, hat mein Gastvater versucht, extra für mich einen vegetarischen Weihnachtsschinken zu machen aus einem Gemüse. (Er ist zwar ziemlich missglückt, aber der Gedanke zählt). Dazu gibt es Kartoffelgratin, Ei und Lachs und Sill (einen speziellen Fisch). Nach Belieben kann man noch Sachen hinzufügen, aber die oben erwähnten Gerichte sind bei einem schwedischen Weihnachtsessen ein Muss.


Mein Bruder wollte sein neues schweizer Fussballt-shirt gar nicht mehr ausziehen
Später, wenn die Kinder dann langsam unruhig wurden, kam er endlich: Tomten. Der Weihnachtsmann, der sich auf einen Stuhl setzt, ein Geschenk nach dem anderen aus seinem Sack zieht und den Namen des Empfängers vorliest. Viel mehr machte er nicht und verschwand dann auch sehr schnell wieder. Aber man sagt, dass man viele Geschenke bekommt, wenn man brav und nett war im vergangenen Jahr. Wieder ein Spur von unserem Samichlaus zu entdecken.


Wir haben dann noch ein Spiel gespielt und langsam wurde die Stimmung ein bisschen lockerer. Die Kinder waren glücklich mit ihrem Erhaltenen und die Erwachsenen gönnten sich ein Glas mehr als sonst.
Am Tag darauf frühstückten wir bei der Schwester meines Gastvaters und auch da gab es Resten des Vorabends. Man isst jetzt einfach so lange "Julbord" bis nichts mehr übrig ist.

Erstes Familienfoto
Ich habe mit meinen Gasteltern eine neue Tradition an Weihnachten gestartet:
Zuerst sprangen wir einige Kilometer und danach badeten wir im naheliegenden Orsjö bei 3°C. "Wenn es schon keinen Schnee hat, dann schwimmen wir wenigstens". Wir haben bereits abgemacht, uns nächstes Jahr gegenseitig ein Fotobeweis zu schicken. Hoffe, jemand springt mit mir in die Aare. 


In ein paar Tagen kommt Aimée, eine Austauschschülerin aus Eslöv (ursprünglich Deutschland) über Silvester zu mir. Wir beide feiern mit einigen meiner Freunden aus der Schule in Ryd. Danach werde ich wahrscheinlich mit ihr zurück fahren und die Gegend Lund-Malmö erkunden. Ich freue mich, dass ich wenigstens ein bisschen Pläne für die Ferien habe und mich ghatnicht wie in den letzten Tagen mich nur zu Hause langweile.